Seuchenbekämpfung in der Menscheitsgeschichte

Wenn man sich die Reaktionen der Menschheit auf Seuchen und Pandemien in der Menschheitsgeschichte vom Altertum über das Mittelalter bis in die Neuzeit vor Augen führt, stellt man fest, dass sich einige Grundelemente der Seuchenbekämpfung immer wieder wiederholen: das Tragen von Gesichtsmasken, Abstand, Quarantäne und Isolierung, saubere und frische Luft (mal’aria!). Sie können als eine Art von „Naturheilmitteln“ der Seuchen- und Pandemiebekämpfung angesehen werden.

Insofern ist es unverständlich, dass sich unter den Anti-Corona-Demonstranten auch viele Leute tummeln, die eigentlich den Naturheillehren anhängen und sich jetzt gewissermaßen quer zu ihrer eigentlichen Denkrichtung stellen. Sie stellen sich also in diesem Fall gegen die Heilkräfte der Natur und stilisieren die Anwendung dieser über Jahrhunderte etablierten Grundelemente gar - völlig überzogen und maßlos - als Einschränkungen ihrer Freiheit im Sinne des Grundgesetzes hoch, wobei es doch maximal eine dem persönlichen Empfinden geschuldete Einschränkung ist. Wie mimosenhaft! Aber das persönliche Empfinden wird von diesen Leuten eben auch oft zur moralischen Richtschnur erklärt, die doch bitte schön für alle verbindlich sein soll.

Wir leben aber in einer aufgeklärten Gesellschaft, deren moralische Ausrichtung u.a. auf dem kategorischen Imperativ eines Immanuel Kant und nicht auf den Egoismen Einzelner beruht. Manche halten dem die gesundheitliche Eigenverantwortung des Menschen gegenüber. Dies hebt aber in keinster Weise den Egoismus-Vorwurf auf. Im Gegenteil!

Übrigens, auch das Konzept der Sündenböcke und der Brunnenvergifter zieht sich durch diese Menschheitsgeschichte der Seuchen und Pandemien. Wenn man sich die Schriften einiger dieser heutigen Heilslehrer anschaut, etwa von Rüdiger Dahlke, Arzt, Psychotherapeut und Esoteriker, dann findet man erhellende Hinweise. Preist er doch marketingstark, über seine sonstigen, aus der Szene bekannten Corona-Verschwörungs-Erzählungen hinaus, z.B. zur Vorbeugung gegen eine Infektion eine Stärkung des Immunsystems mit zahlreichen Methoden an, die er auch selbst vermarktet! Sein kommerzielles Interesse kommt hier offensichtlich klar zum Ausdruck. Wie unglaubwürdig damit doch seine Erzählungen werden! Übrigens gleichen sich diese Verschwörungserzählungen anderer Heilslehrer in Inhalt und Motivation frappierend. Wenn man darüber hinaus noch berücksichtigt, dass die COVID-19-Erkrankung häufig infolge einer überschießenden Immunreaktion (Zytokin-Sturm) in einen schweren Verlauf bis zum Tod mündet, zeigt sich zudem die Fragwürdigkeit und ungeheuerliche Skrupellosigkeit dieser zerstörerischen und zersetzenden Heilslehrer. Es wird Zeit, dass sich diese Szene von dieser Art von Narrativen und dieser Art von Irrlehrern verabschiedet.

Zusammenfassend: Vertrauen wir auch bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie auf Jahrhunderte alte und bewährte „Naturheilmittel“ wie Gesichtsmaske, Abstand, Frischluft und verteufeln diese nicht als Freiheits-Fesseln! Man könnte das auch - philosophisch - als körperlich materialisierte Vernunft bezeichnen.

PS:

  1. Was Immanuel Kant betrifft, so sei noch ein Spruch bemerkenswert, den die Querdenker beherzigen sollten: „Der Mangel an Urteilskraft ist eigentlich das, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen ist gar nicht abzuhelfen.”
  2. Was die Homöopathie betrifft, möchte ich der Fairness halber darauf hinweisen, was die Position des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte ist: „Homöopathen, die behaupten, sie könnten Patienten mit schweren Corona-Symptomen heilen, sind Einzelfälle, die nicht für den Zentralverein sprechen. Der Zentralverein empfiehlt, den Empfehlungen des RKI und der nationalen Gesundheitsbehörden zu folgen, so wie der Zentralverein übrigens auch den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission folgt.“

Aus einem Kommentar zum Interview von Sputnik mit Gerry Mayr, Konstanz, zu den Querdenken-Demos.